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Sommer des Zorns

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Was erwartet uns in den nächsten Monaten?

Die letzten Tage dürften vielen unbedarften Menschen wie ein wahrer Albtraum vorgekommen sein. Ein Alptraum aus dem man nicht erwachen kann und instinktiv ahnt, dass das“nächste Böse” bereits hinter der Ecke lauert und man nichts tun kann, um aus diesem Alptraum zu erwachen. Nizza, Türkei, Syrien, Ukraine… Italienische Bankenkrise, NATO-Truppenstationierung im Baltikum, Rassenunruhen in den USA…

Von Konjunktion

Dachte man nach der Blutnacht von Dallas letzten Dienstag, dass nicht bald etwas “Neues” geschieht, wurde man mit Nizza eines Besseren belehrt, bevor der Putsch in der Türkei nach nur einem Tag auch diese Meldung auf den zweiten Platz der Nachrichten verdrängte. Wenn man betrachtet wie schnell sich die Ereignisse “ablösen” und sich in ihrer Gewaltätigkeit steigern, dann müssen wir uns fragen, ob das nur der Anfang einer Gewaltspirale sein wird, die alles bislang Gesehene in den Schatten stellt.

Viele kritische Zeitgenossen stuften das Jahr 2016 bereits im alten Jahr als ein potenzielles Bürgerkriegsjahr ein. Und traurigerweise scheinen sich diese Annahmen zu bewahrheiten. Wird der Sommer von 2016 wirklich ein “Sommer des Zorns” und des ökonomischen Zusammenbruchs? Von Krieg und Chaos? Schauen wir uns nur einmal fünf Anzeichen genauer an, dann erkennen wir, dass die nahe Zukunft wahrlich nicht rosig aussieht. Und danach kann jeder für sich selbst entscheiden, wie er den Sommer von 2016 einordnen will.

1. Der europäische Bankensektor

Seit 2008 hören und lesen wir einmal vom Ende der Banken-/Eurokrise, kurz darauf stecken wir wieder mitten drin. Kein Wunder also, dass der gemeine Michel sich desinteresssiert abwendet, mit den Schultern zuckt und die Gegebenheiten als das “neue Normale” bewertet. Doch wenn wir die Lage der europäischen (und hier derzeit vornehmlich der italienischen) Banken betrachten, dann sind Parallelen zu Lehman Brothers und 2008 unvermeidlich. Auch wenn das Establishment und seine Lautsprecher der Hochleistungspresse nach dem Brexit-“Ja” immer wieder behaupten, dass das positive Referendum “kein Lehman Brother-Moment” ist, hat irgendjemand vergessen, diese Tatsache auch dem britischen Bankensektor zu sagen… und den italienischen Banken… und der Deutschen Bank.

Dabei dürften die italienischen Banken der erste Dominostein sein, der fällt. Aber natürlich kann auch der Brexit als Ausrede verwendet werden, so dass man die im letzten Jahr versteckt eingeführten Bail-In-Regeln nochmals außer Kraft setzt und die Steuerzahler in der EU zur Kasse bittet. Kein Wunder also, dass die Spannungen zwischen Italien und Deutschland in dieser Frage immer mehr zunehmen und daher auch nicht weiter verwunderlich, dass der Premierminister Italiens Matteo Renzi direkt der EZB die Schuld für das “Dilemma in der sich die italienischen Banken”befinden gibt.

Letztlich zeigt dieser “Stellungskrieg” bei der Rettung italienischer Banken eindeutig, dass die EU/Europa politisch und gesellschaftlich zerfällt…

2. Das politische und gesellschaftliche Auseinanderbrechen Europas

Wieder kämpft Deutschland gegen die Versuche Italiens seine Banken auf Kosten der europäischen Steuerzahler zu retten. Genauso wie einst im Falle Griechenlands. Der Rest der “PIIGS”-Staaten ist nur wenige Schritte vom Schicksal dieser beiden Länder entfernt und kämpft seine Stellungskriege gegen Deutschland und die EZB. Großbritannien hat sich für den Brexitentschieden. Ganz Europa leidet unter den massiven Migrantenzahlen, die aus den Gebieten drängen, die zuvor die NATO mit ihren Angriffskriegen bestrichen hat. Die Folge aus all dem: nationale Bewegungen nehmen an Zulauf und Kraft zu und das“europäische Projekt” steht vor dem Scheitern.

Die Europäische Union ist derzeit nur dem Namen nach eine “Union” (wenn sie es überhaupt je wahr). Osteuropa ballt die Faust in der Tasche, da die EU deren Volkswirtschaften unterminiert und sich in deren internationale Angelegenheiten einmischt. Südeuropa fühlt sich “am Spieltisch in Brüssel” zurückgesetzt. Und Deutschland hat die Wahrnehmung, dass es die Probleme der anderen EU-Staaten alleine schultern soll. Sind daher Rufe nach einem “Nexit”, einem “Frexit” und einem “Auxit” oder “Denxit”verwunderlich?

Und das Ganze garniert mit sich gegenseitig aufschaukelnden Schlagzeilen in der Hochleistungspresse von Vergewaltigungen, sexuellen Übergriffen und Gewalt durch Migranten auf der einen Seite, und eine wachsende Ausländerfeindlichkeit und zunehmender Hass auf ethnische Minderheiten in den sozialen Netzen auf der anderen. Divide et Impera – Teile und Herrsche. Die Spannungen nehmen zu und durchstossen immer mehr die Oberfläche. Das Ergebnis des Brexit-Referendums und die Wiederansetzung der Wahl in Österreich sind nur die ersten politischen Zeichen eines seismischen Bebens, das wir nicht nur in Europa erleben, sondern auf der ganzen Welt…

…auch in den USA.

3. Gewalt bei den US-Wahlen

Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass der US-Wahlkampf in Gewalt enden wird. Bereits die Veranstaltungen Trumps bei dem seine Gegner mit Gewalt gegen seine Anhänger vorgingen, waren ein Vorgeschmack dessen, was die USA bis November erleben werden. In diesen Kontext sind auch die Polizeigewalt und die Gegenreaktionen zu bewerten – und wir werden noch Schlimmeres sehen. Große Protestaktionen, Unruhen und Störungen sind für die Democratic National Convention und die Republican National Convention geplant.

Ist es überraschend, dass Trump bei einer Umfrage als der am wenigsten gemochte Präsidentschaftskandidat in der morderneren Geschichte der USA gilt? Raten Sie mal, wer an zweiter Stelle steht. Hillary Clinton. Wir sind mitten in einem Wahlzyklus, in dem die US-Wähler weder einen Präsidenten Trump, noch eine Präsidentin Clinton im Oval Office haben wollen.

Packt man zu den Rassenunruhen, noch etwas “Kampf der Kulturen”, eine sich weiter verschlechternde Wirtschaftslage und einen allgemeinen moralischen Zerfall hinzu, dann hat man die perfekten Zutaten für einen gesellschaftlichen Zusammenbruch, den man in der Menschheitsgeschichte so noch nie gesehen hat und gegen den die Große Depression ein Nichts war. Wie würden die Menschen heute reagieren, wenn es zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems und/oder zu einer Unterbrechung bei der Lebensmittelversorgung kommen würde? Glauben Sie, dass die meisten Gemeinden, Gesellschaften, usw. eng zusammenstehen und sich gegenseitig helfen würden? Oder würde es zu Plünderungen, Unruhen und Brandschatzungen kommen? Ein Blick auf den jetzt auch in Deutschland/Europa eingeführten Black Friday sollte genügen, um eine Antwort darauf zu geben.

Aber was wäre, wenn es zu all dem noch zu einem globalen Konflikt kommt?

4. Weltweite zunehmende militäriche Spannungen

Glauben Sie, dass das NATO-Manöver Anakonda-16 an Russlands Grenzen Vorbote einer unheilvollen Entwicklung war? Kennen Sie die kürzlich geleakten Emails des ehemaligen NATO-Generals Philip Breedlove, der am liebsten heute als morgen gegen Russland in den Krieg ziehen würde? Wissen Sie, inwieweit das Raketenabfangsystem der NATO in Osteuropa bereits einsatzfähig ist? Aber nicht nur in Europa nehmen die Spannnung zu. Auch in Asien, wo die USA ihr THAAD-Raketenschild gegen “Nordkorea”(sprich China) ausbaut, was logischwerweise zu ernsten Bedenken und Sorgen in der Region führt. Und die Lage im Südchinesischen Meer darf in diesem Kontext nicht unerwähnt bleiben.

Oh, und falls Sie es nicht mitbekommen haben, auch die Spannungen in Afrika nehmen zu, wo es zu Grenzstreitigkeiten zwischen Äthiopien und Eritrea gekommen ist und die Gefahr eines bewaffneten Konflikts täglich zunimmt, und wo neue bewaffnete Gruppen aus dem Nichts auftauchen und Zentralmali terrorisieren.

Währenddessen stocken weltweit die Erfüllungsgehilfen des militärisch-industriellen-medialen Komplexes ihre Militärhaushalte auf und modernisieren ihre Waffensysteme und Kampftruppen mit den neuesten Multimillionen teuren Drohnen und anderem Kram.

Aber irgendwie haben wir noch etwas vergessen… Ach ja…

5. Der Mittlere Osten brennt immer noch

In Syrien kämpft Assad nach wie vor gegen den vom Westen gestützten Daesh. Israel rückt immer weiter nach rechts und erhält gleichzeitg eine auf 10 Jahre ausgelegte “Unterstützungszahlung für seinen Militärhaushalt” aus den USA in Höhe von zuerst 40 Milliarden, jetzt 50 Milliarden US-Dollar. Saudi-Arabiens Kriegsverbrechen im Jemen werden nach wie vor vom Rest der Welt ignoriert und die Lage in der Türkei dürfte allseits bekannt sein.

Und wäre das alles noch nicht genug, hat die OPEC ihren Anteil am Öl-Weltmarkt mit Hilfe von billigem Öl ausgebaut, anstatt die Produktion in ihrem Sinne zu drosseln. Das Haus Saud überlegt sogar ihr Filetstück Aramco zu verkaufen und die jetztveröffentlichten 28 Seiten des Kongressberichts zu 9/11 dürften auch nicht gerade für Ruhe in Riad sorgen.

Zudem sollten wir den Iran nicht vergessen. Der mag zwar derzeit etwas aus dem Fadenkreuz der Neocons gerutscht sein, aber stellt sich nur die Frage für wie lange. Nicht wahr, Frau Clinton?

Conclusio

Was bekommt man, wenn man finanzielles Chaos mit politischen und gesellschaftlichen Aufruhr vermischt und dann das Ganze mit militärischen Spannungen unterlegt? Ein giftiges Gebräu, das bei “nichtsachgerechter Handhabe” überkochen kann und zu einem ökonomischen Kollaps, zu Bürgerkrieg und globalen Konflikten führt.

Es gibt jeden Grund zu glauben, dass wir in den nächsten Monaten (und Jahren) in zutiefst turbulenten, unguten Zeiten leben werden. Aber wir sollten trotz allem immer den Kopf halten. Und wir sollten dieses sich verengende Zeitfenster nutzen, um aus diesem Kontrollsystem zu entkommen. Sei es mit Hilfe von lokalen Gruppen, alternativen Währungen, Selbstversorgung und so weiter. Je besser wir vorberitet sind, desto leichter wird diese Zeit.

Und wie ordnen Sie den “Sommer des Zorns” ein?

Quelle – 22.07.2016

Kategorien:Crash, Politik, Theorien

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