Jihad

Die nächste Terror-Generation

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Von Lizzie Dearden

The Independent: Der IS trainiert Kinder von ausländischen Kämpfern, um sie zur Terroristen der „nächsten Generation“ zu machen

Von mindestens 50 britischen Kindern wird angenommen, dass sie in den Gebieten der Terrorgruppe leben.

Die Kinder von ausländischen Kämpfern, die auf dem IS Territorium in Syrien und dem Irak leben werden ausgebildet, um die Terroristen der „nächsten Generation“ zu werden, wie die Europäischen Behörden für Verbrechensbekämpfung warnen.

Die Gruppe bewirbt die Verwendung von Kindern in ihren Videos als Kämpfer, Selbstmordattentäter und auch als Henker, daruner ein vier Jahre alter britischer Junge.

Es gibt Befürchtungen, dass die Zahl der kleinen Jungen, die in die Reihen der IS Kämpfer gezwungen werden noch steigen wird, da in den Territorien zunehmend Kinder von „Dschihadistenbräuten“ geboren werden und aufwachsen.

Im Jahresbericht zum Terrorismus der Europäischen Union sagte Europol, dass das Aufziehen von Kindern durch die Gruppe ein „besonderes Problem“ darstelle.

„In ihrer Propaganda hat der IS oft gezeigt, dass sie diese Minderjährigen dazu ausbilden, zur nächsten Generation ausländischer Terrorkämpfer zu werden, die zukünftig möglicherweise eine Sicherheitsgefahr für die Mitgliedsstaaten darstellen,“ sagte der Europolbericht.

„Einige der Rückkehrer werden die Terrorgefahr in der EU erhöhen, indem sie Radikalisierungsaktivitäten fördern, finanzieren und Rekrutierung betreiben. Sie könnten auch als Vorbilder dienen für angehende gewalttätige Möchtegerndschihadisten.“

Mehr als 50 Kinder aus Großbritannien leben momentan im „Kalifat“, wo es geschätzt 31.000 schwangere Frauen gibt, wie eine Untersuchung der Quilliam Stiftung Anfang des Jahres ergab.

Unter ihnen ist auch Isa Dare, der Sohn einer Frau aus London, der bekannt ist als Khadijah Dare, und der in einem Propagandavideo auftrat, worin er ein Auto mit Gefangenen in die Luft sprengt.

„Wir werden die Kuffar (Ungläubigen) dort drüben töten,“ sagt er darin, während er militärische Tarnkleidung und ein IS Stirnband trägt, und das vier Jahre, nachdem er als Baby nach Syrien gebracht wurde.

Er ist im Video zusammen mit einem Jugendlichen zu sehen, der mit britischem Akzent sprechend Großbritannien und Mitglieder der US-geführten Koalition bedroht, welche das IS Territorium bombardieren.

Ein weiterer britischer Dschihadist, der bekannt ist als Abu Rumaysah – der echte Name lautet Siddhartha Dhar – verhöhnte die Geheimdienste, indem er mit seinem neugeborenen Sohn auf dem Arm und einer Waffe in der Hand posierte, nachdem er der Überwachung entglitt und trotz eines Ausreiseverbots 2014 Syrien erreichte.

Auf Twitter prahlte er mit den perversen Ambitionen für seinen Sohn: „Alhamdulillah (gepriesen sei Allah), Allah schenkte mir einen gesunden Sohn für den Islamischen Staat. Er ist eine weitere großartige Zugabe für den Islamischen Staat. Und er ist definitiv nicht britisch.“

Mehrere andere Kämpfer haben Bilder ihrer Kinder in den sozialen Medien veröffentlicht, darunter ein schlafendes Baby, das umgeben ist von einem IS Personalausweis, einer Handgranate und einer Pistole.

Analysten sagen, dass die IS Führer Kinder als zentral erachten, um den langfristigen Erfolg der Gruppe sicherzustellen, und halten sie für bessere und tödlichere Kämpfer, da sie von Geburt an indoktriniert und desensibilisiert werden können.

Der mörderische Einfluss der Terrroausbildung konnte in den letzten Terroranschlägen beobachtet werden, als mehrere Schützen mit Schlachtfelderfahrung aus Syrien in Brüssel und Paris Terroranschläge verübten.

„In Rakka wird noch immer heimlich abgeschlachtet“ heisst eine Aktivistengruppe, welche die Schandtaten des IS erfasst, und die ihre Besorgnis hervorbrachte, dass selbst wenn der IS besiegt würde, die jungen Rekruten weiterhin blutige Versuche unternehmen könnten, um ein brutales Kalifat zu etablieren, weswegen sie die Kinder eine „verlorene Generation“ nennt.

Nikita Malik ist führender Forscher für die Quilliam Stiftung und sagte dem Independent, dass die Kinder genutzt werden für die „Übung des Staatsaufbaus“ im Irak und in Syrien.

„Sie sind eine unmittelbare Gefahr und werden auch eine langfristige sein,“ fügte sie an.

„Die auf sie einprasselnde Indoktrination lässt Hass gegen den Westen entstehen, und alle anderen Länder werden als illegitim dargestellt – weswegen diese Kinder keinen Zugang, oder Erinnerung an andere Ideenwelten haben.“

Frau Malik warnte, dass die Regierung eine umfassende Strategie bereithalten muss, um die Kinder von ausländischen Kämpfern zu rehabilitieren und sie umzuerziehen, insbesondere wenn sie in großen Zahlen zurückkehren, was der Fall sein wird, wenn der IS militärisch besiegt wird.

„Viele dieser Kinder werden nichts über Großbritannien wissen, aber die gegenwärtige Gesetzgebung des Landes hat auch eine Verantwortung ihnen gegenüber, da sie Bürger sind.. es ist eine sehr komplexe Angelegenheit,“ fügte sie an.

Die IS Propagandaagenturen haben zahlreiche Videos und Bilder veröffentlicht, auf denen Kinder bei der Kriegsausbildung und der Indoktrination mit der brutalen Ideologie der Gruppe gezeigt werden.

Bilder eines Lagers für „Nachwuchs des Kalifats“ nahe der de-facto Hauptstadt Rakka in Syrien zeigen fünf Jahre alte Jungen, wie sie Kampfanzüge und IS Stirnbänder tragen und militärische Übungen ausführen.

Auf anderen Propagandavideos sieht man Jungen, wie sie gegeneinander kämpfen und Nahkampftechniken üben, und auch dschihadistiche Instruktionen von älteren Militanten erhalten.

Eltern, die aus dem IS Territorium flohen haben ihre Kinder, die in IS Schulen gingen als „gehirngewaschen“ bezeichnet, wobei einigen beigebracht wurde, wie man Bomben baut, oder die mit einer europäisch aussehenden Puppe in einem orangenen Overall nach Hause geschickt wurden und die „Hausaufgabe“ hatten, diese zu enthaupten.

Während die Indoktrination der Jungen sie vollumfänglich für den Kampf vorbereiten soll, wird Mädchen separat beigebracht, wie man kocht, putzt und den „Dschihad“ des zukünftigen Ehemanns im Einklang mit der IS-Interpretation der Scharia unterstützt.

Der Bericht von Euopol sagte, dass es den Mädchen nicht erlaubt sei zu kämpfen, aber sie werden ausgebildet, wie man Kinder im Einklang mit der IS Ideologie aufzieht und dies mit dem Versprechen auf „Respekt und Zuneigung“ durch männliche Verwandte verknüpft wird.

Sie werden dazu angehalten den Tod von Ehemann und Söhnen zu akzeptieren, die vorbereitet werden schon in jungen Jahren an Kämpfen und Terroranschlägen teilzunehmen.

Man schätzt, dass die Zahl der Kinder von ausländischen Kämpfern steigt, da zunehmend „Dschihadistenbräute“ einreisen, um sich dem IS anzuschliessen.

Europol sagte, dass 40 Prozent der niederländischen Ankömmlinge im Kalifat Frauen seien, die weniger wahrscheinlich fliehen als ihre männlichen Gegenstücke und wiederverheiratet werden, wenn ihre Ehemänner sterben, damit sie weiterhin Kinder gebären.

Ein Bericht für das Terrorismusbekämpfungszentrum ergab, dass im Irak und in Syrien in einem Jahr mindestens 89 Kindersoldaten des IS im Kampf fielen.

Die meisten wurden dafür eingesetzt, mit einem Auto oder LKW voller Sprengstoff in eine militärische Einrichtung oder andere Sicherheitsziele zu fahren, und einige starben im Kampf oder als Selbstmordattentäter gegen Zivilisten.

Europol schätzt, dass mehr als 5.000 Europäische Bürger nach Syrien und in den Irak in die Kampfzone reisten – vor allem um sich dem IS anzuschliessen – aber sagten auch, dass der Fluss sich abschwächte, seitdem die Terrorabwehr und Luftschläge verstärkt wurden und es militärische Niederlagen für den IS gab.

Der Dienst warnte, dass obwohl die Flüchtlingsrouten nach Europa nicht „systematisch“ vom IS genutzt werden, die Terroristen sich mit Hilfe gefälschter Dokumente unter die Migranten mischen, und sagte, dass es eine „echte und unmittelbare Gefahr“ gibt, dass sunnitische muslimische Flüchtlinge aus Syrien leicht radikalisiert werden können, wenn sie erst einmal in Europa sind.

Eine Sprecherin des Innenministeriums in London sagte, sie könne nicht sagen, wie viele britische Kinder im IS Gebiet leben, oder wie viele dort geboren wurden.

Laut Regierungszahlen sind mindestens 850 Personen mit „nationalem Sicherheitsrisiko“ von Großbritannien aus nach Syrien gereist, um sich dem Konflikt anzuschliessen. Etwa 15 Prozent von ihnen wurden getötet und die Hälfte kehrte zurück.

Quelle

Kategorien:Jihad, Terror