Islam

Der Papst und der Heilige Krieg

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Auf Griechisch wie auf Arabisch bedeuten die Begriffe „Märtyrer“ und Schahid exakt dasselbe: „ein Zeuge“. Vater Hamel war der jüngste in einer langen Reihe christlicher Märtyrer, die von Männern der Gewalt umgebracht wurden, angeblich um die einzige Wahrheit ihres Glaubens zu bezeugen. Viele muslimische Märtyrer sind auf ziemlich die gleiche Weise gestorben; aber noch mehr haben ihr Leben gegeben, während sie Krieg (Jihad) führten, um Gebiete für den Islam zu erobern.

Auf der Flagge des Islamischen Staates steht „la ilaha illa’llah, Muhammadun rasulu’llah„. Die Worte bedeuten: „Es gibt keinen Gott außer Allah; Mohammed ist der Prophet Allahs“. Diese zwei Sätze sind als die „Schahada“ bekannt, das Ablegen des Zeugnisses. Man sieht sie heute überall, jetzt in Syrien, dann wieder in Frankreich oder Großbritannien. Aber Schahada bedeutet auch Märtyrertum. Und Märtyrertum, wenn man gerade dabei ist Gewalt zu verüben, ist etwas, das die Mörder eines unschuldigen Gottesmannes an diesem Tag erreichten, als bewaffnete Polizei sie fand und vor der von ihnen geschändeten Kirche erschoss.

Am folgenden Tag gab der Leiter der katholischen Kirche, Papst Franziskus, eine Erklärung zu dem Vorfall ab und einen Moment lang schien es so, als habe er es endlich begriffen. Er sagte, die Welt befinde sich jetzt im Krieg. Jahrzehnte nachdem der Krieg begann, war hier ein religiöser Leiter und Staatsmann, der der Tatsache gegenüber aufgewacht zu sein schien, dass westliche Länder es ungewollt und ineffektiv versäumt hatten einen Krieg gegen dein islamischen Radikalismus zu führen. Oder vielleicht ist es richtiger zu sagen, dass der islamische Radikalismus einen Krieg gegen uns geführt hat.

Aber dann vermasselte er es. Denn er sagte dies:

„Es ist Krieg, wir brauchen keine Angst zu haben das zu sagen… Ein Krieg der Interessen, um Geld und Ressourcen. Ich rede nicht von einem Religionskrieg. Religionen wollen keinen Krieg. Die anderen wollen Krieg.“

Wie bitte? Hat das Abschlachten eines Priesters vor seinem Altar mit „Interessen, Geld, Ressourcen“ zu tun? Waren die Killer von einer Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit, mehr Geld, Zugang zu mehr Ressourcen getrieben? Glauben sie, dass der gewaltsame Tod eines harmlosen Priesters ihnen irgendetwas davon bringen würde? Sie waren nicht hingegangen, um irgendeinen wertvollen von Altargegenstand zu stehlen, Weihrauchgefäße, Kerzenständer, das Kruzifix, die Monstranz. Die Mörder hatten „Allahu akbar“ geschrien, wörtlich „Gott ist größer“ (als alles andere, für Muslime besonders die vermeintlich nicht monotheistische christliche Dreieinigkeit und die Kirche). Wie wir nur allzu gut wissen, ist „Allahu akbar“ eine religiöse Redewendung, die Muslime oft benutzen. Sie ist der Beginn des Gebetsrufs, des adhan, wird sechsmal wiederholt, fünfmal am Tag, gefolgt von der Schahada. Er hat jedes Mal in westlichen Ohren geklungen, wenn Muslime in Europa und Nordamerika Anschläge verübten oder als Auftakt für einen Selbstmordanschlag. Genau deshalb, weil Muslime glauben, dass ihr Gott (auf Arabisch heißt er Allah) allen anderen Göttern überlegen ist, denn für sie ist der Islam die größte aller Religionen und immerhin ist der Islam dazu bestimmt die Welt zu erobern, sei es durch Übertritt oder durch Gewalt.

Was meinte Papst Franziskus, als er sagte: „Religionen wollen keine Krieg. Die anderen wollen Krieg“? Er ist ein Mann mit Zugang zu zahllosen Gelehrten-Schulen, zu Akademikern weltweit, zu Fachleuten für den Islam und den Nahen Osten. Es stimmt einfach nicht. Fürs erste: Wer sind diese „anderen“? Nichtreligiöse Leute? Atheisten? Agnostiker? Protestanten?

Um einen Krieg zu gewinnen, muss man in der Lage sein seinen Feind zu identifizieren, seine Motive zu verstehen, herauszufinden, was genau seine Soldaten dazu treibt ihr Leben im Kampf zu riskieren, in dem Wissen, für welche Sache Mütter und Ehefrauen ihre Söhne und Ehemänner in den Krieg schicken, in dem Wissen, dass sie vielleicht nie zurückkommen. Ignoriert man all das, erfindet man falsche Motive für den Feind oder verfehlt es seine ultimativen Ziele zu kennen, dann wird man verlieren. „Wenn du deinen Feind kennst und dich selbst kennst, musst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht fürchten“, sagte der große chinesische General Sun Tzu in seinem Buch Die Kunst des Krieges.

Einen Tag nach seiner Äußerung setzte der Papst leider seiner Ignoranz noch eins drauf. Ein Bericht in im katholischen Magazin Crux meldete:

Der Papst sagte, dass es in jeder Religion gewalttätige Menschen gibt, „eine kleine Gruppe Fundamentalisten“, auch im Katholizismus.

„Wenn Fundamentalismus so weit geht zu morden … du kannst mit deiner Zunge morden und auch mit dem Messer“, sagte er.

„Ich glaube, dass es nicht fair ist den Islam mit Gewalt zu identifizieren. Das ist nicht fair und es ist nicht wahr“, fuhr er fort und fügte hinzu, dass er ein langes Gespräch mit dem Großimam der Al-Azhar hatte, der islamischen Universität in Kairo, die oft als der Vatikan der sunnitischen Welt beschrieben wird.

„Ich weiß, wie sie denken. Sie suchen Frieden, Begegnung“, sagte er. [Kursivstellung durch den Autor.]

Leider ist klar, dass der Papst (zusammen mit hunderten Politikern und religiösen Leitern im Westen, wenn auch nicht in Israel) seinen Feind überhaupt nicht kennt. Wenn er glaubt, dass „Religionen keinen Krieg wollen“, ist auch klar, dass er den Islam nie studiert oder von niemandem wahrheitsgemäße Unterweisung über ihn erhalten hat. Hier der Grund.

Die späten Kapitel des Koran beinhalten dutzende Verse, die die Gläubigen dazu auffordern hinzugehen und den Jihad zu kämpfen oder ihre Ressourcen dazu zu nutzen andere zu bezahlen, damit die es tun. Der Sinn des Jihad ist „die Stärkung des Islam, der Schutz der Gläubigen und die Leerung der Erde vom Unglauben.“

Nach Angaben eines modernen Experten zum Jihad „präsentiert der Koran eine gut entwickelte religiöse Rechtfertigung dafür Krieg gegen die Feinde des Islam zu führen.“

Der Islam ist nicht nur eine Religion; er ist ein Regierungssystem. So schrieb Hassan al-Banna, der Gründer der allgegenwärtigen Muslimbruderschaft:

Der Islam ist ein umfassendes System, das sich mit allen Bereichen des Lebens beschäftigt. Er ist ein Staat und eine Heimat (oder eine Regierung und eine Nation). Er ist Moral und Macht (oder Gnade und Gerechtigkeit); er ist eine Kultur und ein Gesetz (oder Wissen und Rechtslehre). Er ist Werkstoff und Reichtum (oder Gewinn und Wohlstand). Er ist eine Anstrengung und ein Ruf (oder eine Armee und ein Anliegen). Und schließlich ist er wahrer Glaube und Anbetung.

Was bedeutet das für Nichtmuslime? Banna verdeutlicht abermals:

Das bedeutet, dass der Edle Koran die Muslime zu Wächtern über die Menschheit in ihrer Unmündigkeit einsetzt und ihnen die Rechte der Oberhoheit und Herrschaft über die Welt gewährt, damit sie seinen erhabenen Auftrag ausführen. Daher ist es unsere Sache, nicht die des Westens; und es betrifft islamische Zivilisation, nicht materialistische Zivilisation. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es unsere Pflicht ist Souveränität über die Welt zu aufbauen und die gesamte Menschheit zu den vernünftigen Regeln des Islam und seiner Lehren zu führen, ohne die die Menschheit nicht glücklich werden kann.

Papst Franziskus (rechts) sagte vor kurzem: „Ich rede nicht von einem Krieg der Religionen. Religionen wollen keinen Krieg“, und: „Ich glaube, dass es nicht fair ist den Islam mit Gewalt zu identifizieren. Das ist nicht fair und es ist nicht wahr.“ Hassan al-Banna (links), der Gründer der Muslimbruderschaft, schrieb: „Der edle Koran ernennt die Muslime zu Wächtern über die Menschheit in ihrer Unmündigkeit und gewährt ihnen die Rechte der Oberhoheit und Herrschaft über die Welt gewährt, damit sie seinen erhabenen Auftrag ausführen.“

Die islamische Traditionsliteratur, die in sechs kanonischen Sammlungen zu finden ist, legt die Beschreibungen des Jihad und die Anweisungen fest, wie er zu führen ist. Bitte lassen Sie sich nicht von der oft wiederholten Vernebelung „Der große Jihad ist ein Kampf mit dem Selbst, ein spiritueller Krieg“ in die Irre führen. Diese Vorstellung wird in den klassischen Texten nirgendwo erwähnt. Jahrhunderte lang hat der Jihad physische Kriegsführung bedeutet. Selbst die mystischen Sufi-Bruderschaften haben diesen extrem physischen Kampf betrieben.

Der islamische Prophet Mohammed führte seine Männer bei vielen Gelegenheiten in den Kampf und schickte um die 100 Überfallkommandos und Feldzüge aus. Seine Nachfolger, die Kalifen, machten dasselbe. In dem halben Jahrhundert nach Mohammeds Tod im Jahr 632 unserer Zeitrechnung hatten muslimische Heere die Hälfte der bekannten Welt erobert. Die Jihad-Kriege wurden von allen großen islamischen Reichen weiter auf jährlicher Basis fortgeführt, ohne Ausnahme.

Das erste beiden großen islamischen Reiche, das der Omajjaden (661 – 750) und ihrer Nachfolger unter einer neuen Kalifendynastie, den Abassiden (750 – 1258) führten jährliche Feldzüge (in der Regel zwei oder mehr pro Jahr) gegen das byzantinische Reich (mit seinem Sitz in Konstantinopel) durch. Diese Angriffe waren eine fortgesetzte Tradition auf Grundlage der frühesten Jihad-Kriege sowohl im Westen als auch im Osten. Sie waren niemals willkürlich, sondern gut geplant. Es gab in der Regel zwei Sommer-Feldzüge, denen oft Winterfeldzüge folgten.

Der Sommer-Jihad fand gewöhnlich in Form zweier getrennter Attacken statt. Ein Angriff wurde der „Feldzug zur Linken“ genannt. Er begann von der Grenzfestung Sizilien aus, deren Truppen hauptsächlich aus Syrien stammten. Der größere „Feldzug zur Rechten“ wurde aus der ostanatolischen Provinz Malaty heraus begonnen; in ihr wurden irakische Truppen eingesetzt. Diese Jihad-Feldzüge erreichten unter dem dritten großen Reich, dem der Osmanen, ihren Höhepunkt; Sie eroberten 1453 Konstantinopel, womit sie dem byzantinischen Reich das Ende bereiteten. Konstantinopel wurde in Istanbul umbenannt und seine wichtigste Basilika, die Hagia Sophia, wurde zur imperialen Moschee der Osmanen gemacht.

Die heutigen Jihadistenorganisationen vom Islamischen Staat über Al-Qaida, den Taliban, dem Islamischen Jihad, Jabhat al-Nusra, Boko Haram, al-Schabaab zu hunderten anderen führen schlicht Jihad-Kriege des neunzehnten Jahrhunderts auf einer größeren Fläche aus.

Jihadisten scheinen dies der Missionsarbeit vorzuziehen (auch wenn andere Gruppen wie die pakistanischen Tablighi Jamaat das intensiv betreibt), weil ihre Kriege auf die Tage Mohammeds und seiner Gefährten der ersten drei kriegerischen Generationen zurückgehen. Der Begriff salafi, der heute für die radikalsten islamischen Gruppen verwendet wird, stammt von salaf oder „Vorfahr“, ist aber eine besondere Bezeichnung für die ersten drei Generationen des Islam: Mohammed, seine ersten Anhänger, ihre Kinder und Enkel. Jihadisten tun das, weil sie seit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs im Jahr 1918 an militärischer Stärke verloren haben; sie scheinen sich immer noch angehalten zu sehen gegen die Mächte des Westens, den Triumph der Christen (oder Israels, der Juden) zurückschlagen zu müssen. Gott versprach nach ihrer Meinung den Muslimen, dass sie eines Tages die Welt beherrschen würden und viele Jahrhunderte lang dürften Muslime geglaubt haben, das geschehe tatsächlich. Dann wurden die Hoffnungen zerstört. Westliche Reiche begannen muslimische Staaten wie Nordindien, Algerien, Ägypten, den Sudan, Libyen und andere zu erobern – eine völlig undenkbare Wende.

Um zurückzuschlagen haben die Jihadisten sich entschlossen die beste ihnen zur Verfügung stehend Waffe zu benutzen: den Terrorismus. Schlimmer ist: Der von ihnen heute terrorisierte Westen hat sich erlaubt sich schwächen zu lassen. Eine Kombination aus politischer Korrektheit, Angst vor den Kopf zu stoßen, Angst vor Kampf und ein Widerwille illusorische Stabilität aus dem Gleichgewicht zu bringen hat zu einer unglaublichen Serie an Chancen für die Jihadisten geführt.

Zum Beispiel war der junge Islamist, der den Priester in Frankreich tötete, zweimal wegen des Versuchs festgenommen worden nach Syrien zu gelangen, um beim Islamischen Staat zu dienen. Zur Zeit des Mordes hatten die freundlichen Behörde ihn gezwungen eine elektronische Fußfessel zu tragen, mit der er überwacht werden sollte – aber seine Ausganssperre galt nur für nachts. Am Tag war es ihm erlaubt sich frei zu bewegen. An diesem schicksalhaften Morgen entschied er sich mit seinem Kameraden in eine nahe gelegene Kirche zu gehen und seine Sehnsüchte nach Märtyrertum und dem Töten eines Christen zu erfüllen.

Leider könnte Papst Franziskus nicht schwerer Unrecht haben. Eine Religion hat von Anfang an Kriege führen wollen. Wir haben uns mehr als 1400 Jahre dagegen schützen müssen, so wie 1683, als das osmanische Reich vor den Toren Wiens aufgehalten wurde. Heute haben wir unseren Schild sinken lassen und uns abgewendet. Nicht weil wir keine Sicherheitskräfte hätten. Die haben wir. Sondern weil wir oft nicht nach den richtigen Dingen sehen: den Texten und Predigten, die Radikalisierung ankündigen.

Warum wenden sich junge Muslime von Gewöhnlichem ab, um für die Extremisten zu werben? Junge Christen, Hindus, Juden, Buddhisten und Bahai bewegen sich nicht in diese Richtung. Könnte es daran liegen, dass so viele junge Muslime – zuerst in den islamischen Ländern, jetzt im Westen – von früh an gelehrt werden, dass der Islam Vorherrschaft anstrebt, dass Jihad nichts Böses ist, sondern ein Ausdruck ihres Glaubens, dass sie als Opfer unter „Islamophobie“ leiden, dass westliche Frauen unmoralisch sind und dass andere Religionen falsch sind?

Es ist Zeit aufzuwachen. Ob wir es mögen oder nicht, wir befinden uns im Krieg. „Du magst dich nicht für Krieg interessieren, aber der Krieg interessiert sich für dich“, sagte Leon Trotsky.

Unser Feind ist eine extremistische Form des Islam, die noch eine Reformation durchmachen muss, eine, die Muslime nicht zurück ins 7. Jahrhundert bringt, sondern vorwärts ins 21. und möglicherweise darüber hinaus.

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