Gesellschaft

Ein kaum bekannter Grund für Krieg, Flucht und Terror

Heute weisen wir auf eine Erklärung hin, die zwar “nur” eine soziologische Theorie ist, aber dennoch einen weitaus höheren Erklärungsgehalt bietet als die üblichen Instant-Deutungen in Mainstream- und Alternativmedien. Die Aspekte, die hier erklärt und betont werden, hatten wir selbst bis zur Recherche für diesen Text kaum auf der Rechnung. So manches, was wir zu wissen glaubten, mussten wir nach Lektüre eines Interviews der NZZ mit Gunnar Heinsohn über den Haufen werfen. Der Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler Heinsohn beschäftigt sich als hauptberuflich mit Xenophobie, Völkermord und anderen leider topaktuellen Seiten der Geschichte und des Weltgeschehens. Das NZZ-Interview stammt aus dem Jahr 2006 und passt milimetergenau auf das, was wir im Jahr 2016 erleben bzw. massenmedial mitbekommen.

Hier nun Heinsohns These in der Kurzfassung:

“Sind in einer Gesellschaft mehr als 30 Prozent aller Männer zwischen 15 und 29 Jahre alt, so kommt es mit grosser Wahrscheinlichkeit zu Gewalt, in Form von Bandenkriminalität, Revolutionen, Bürgerkriegen, Genoziden oder Eroberungskriegen. So lautet die These des deutschen Völkermordforschers Gunnar Heinsohn. «Youth Bulge» nennt er das Phänomen. Das englische Wort bulge steht für die entsprechende Beule in der Bevölkerungspyramide.”

Eine “Jugendbeule” soll also die Wurzel allen Übels sein. Wie das – ist es wirklich so einfach? Schwer zu glauben, doch Heinsohn hat die These an über 70 Ländern empirisch überprüft und daraus die folgende “Weltformel” abgeleitet:

“Immer dort, wo Mütter über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte im Schnitt 6 bis 8 Kinder haben, also 3 bis 4 Söhne, da wird es brenzlig. Nur ein, höchstens zwei Söhne können mit gesellschaftlichen Positionen versorgt werden. Die überschüssigen dritten und vierten Brüder, ehrgeizig und im besten Kampfesalter, emigrieren – oder holen sich ihre Position mit Gewalt. Wo es zu viele junge Männer gibt, wird getötet. Das führt zu Kriminalität, zu Bürgerkriegen, zu Genoziden an Minderheiten, Revolutionen, internationalen Kriegen oder Kolonisierungen. So lange, bis der Überschuss an Jünglingen weggetötet ist und die Geburtenzahl sinkt.”

Egal welche Kultur, egal welche historische Epoche: dieses Schema stellte sich in Heinsohns Forschungen als wirksam heraus. Ob deutsche Nazis, arabische Islamisten oder lateinamerikanische Faschisten: die jeweilige Religion, Rassenlehre oder Ideologie ist laut Heinsohn austauschbar. Sie liefert lediglich das Feindbild und die Ausreden, um ungeniert töten und foltern zu können. Unabhängig von allen anderen Faktoren wurde und wird es immer und überall dort brenzlig, wo mindestens 30% der Männer zwischen 15 und 30 Jahren oder 20% zwischen 15 und 25 Jahren jung sind. In Europa war solch eine “Ausbeulung” der Bevölkerungspyramide von 1500 an 400 Jahre lang gegeben. Mit der Hexenverfolgung wurden die Hebammen und mit ihnen das Wissen um Verhütung ausgerottet. Die Geburtenzahlen stiegen von 2-3 auf 7-8 Kinder pro Frau:

“Der Sohnesüberschuss erklärt, wieso jährlich in den Krieg gezogen wurde, wieso es ohne Unterlass zu Bürgerkriegen, Revolutionen, Ausrottungen kam und wieso Europa in dieser Zeit die Welt eroberte und christlich motiviert in 400 Jahren 90 Prozent der Erde ausmordete und unterwarf. In Spanien wurden Kolonisatoren sogar «secundones» genannt, Zweitgeborene. Gemeint waren auch dritte oder vierte überschüssige Brüder, die in Südamerika Gemetzel und Genozid veranstalteten. Die Schweiz wiederum exportierte überschüssige Söhne als Söldner nach halb Europa.”

Armut und Hunger sind hier bestenfalls Nebenfaktoren, denn: “Wer sich an Tötungen beteiligt, ist meist gut genährt. Um Brot wird gebettelt, um gesellschaftliche Positionen wird geschossen.” Auch “überschüssiges Testosteron” spielt nicht die Hauptrolle, denn das hat fast jeder männliche Jugendliche und die entstehenden Rangeleien und Wettbewerbe werden normalerweise unblutig ausgetragen: “Wettbewerb gibt es auch in vergreisenden Ländern wie in Deutschland oder der Schweiz, um den besseren Job, den besseren Gedanken, das schönere Bild”.

Die Gewalt kommt, wenn es für zehn junge Männer nur eine Position gibt. Oder nur eine Frau: “Auch sexuelle Frustration kann eine Rolle spielen, wenn es in der betreffenden Gesellschaft Sex nur als Fortpflanzungsakt in der Ehe zu haben gibt, für eine Eheschliessung aber zuerst eine gesellschaftliche Position errungen werden muss.”

Die politischen oder religiösen Ideen kommen nicht an erster Stelle, sondern sie kommen, nachdem der natürliche, evolutionäre Drang nach einem Platz in der Gesellschaft keine normalen und gesunden Verwirklichungswege vorgefunden hat. Das heilige Buch und der heilige Kodex machen es dann möglich, dass das Beiseiteräumen von Konkurrenz wie ein Säubern und Befreien der Welt vom Unreinen und Bösen aussieht.

Im Nahen Osten nahm der “Youth Bulge” ab 1950 richtig Fahrt aus. Seitdem gibt es dort in den meisten Ländern drei bis vier Söhne, “die oft als Islamisten für einen noch reineren Glauben vorwiegend andere Muslime töten, aber – wie zuvor die Europäer – auch Imperien aufbauen wollen.”

Auf die Frage, ob der Nahe Osten heute auch ohne Öl, ohne Islam und ohne koloniale Vergangenheit so unruhig und gefährlich wäre, antwortet Heinsohn: “Natürlich.” Als Beispiel für den Zusammenhang zwischen hohen Geburtenraten und Krieg nennt er den Libanon. Dort endete der Bürgerkrieg, als im Jahre 1990 der Männerüberschuss soweit “weggetötet” wurde, dass es keinen “Nachschub” mehr gab. Die Geburtenrate sank von 6 auf 2 Kinder pro Frau. Seitdem bleibt es dort vergleichsweise ruhig. Heinsohns “makabere Arithmetik”, wie es der Focus nannte, lässt sich auch auf diverse andere vergangene oder aktuelle Bürgerkriegsländer wie Algerien, Sudan, Liberia oder Syrien anwenden. Und sie scheint sich immer wieder zu bestätigen, denn wenn Sie das Interview in der NZZ lesen, werden Sie feststellen, dass Heinsohns Prognosen, die er dort im Jahr 2006 abgab, ziemlich genau eingetroffen sind.

Das Fazit daraus ist eindeutig:

“So gesehen bleiben die islamischen Länder auch ohne Islam noch einige Zeit brandgefährlich.”

Cover Söhne und Weltmacht

Quelle