Die katastrophalen Folgen des Sozialismus

von Tho Bishop – 3.6.2016

Die Krise in Venezuela ist die jüngste Illustration der furchtbaren Folgen des Sozialismus und der vernichtenden Realität der Hyperinflation. Dieses Desaster ist besonders schlimm, da man es mit ein wenig geschichtlichem Verständnis hätte vermeiden können. Die furchtbaren Folgen des Sozialismus und Interventionismus wurden immer und immer wieder auf der ganzen Welt mit ähnlichen Ergebnissen sichtbar. Trotzdem schaffen es neue Generationen der Zentralplaner – mit Unterstützung von ideologisch verbündeten Intellektuellen – immer wieder, die Menschen in die Irre zu führen. Selbstverständlich gilt die Maxime: „Dieses Mal wird alles anders.“

Ludwig von Mises (1881 – 1973) erlebte solch eine historische Episode selbst mit.

Nach der Niederlage im 1. Weltkrieg war Österreich-Ungarn in einer Krise. Die Habsburger Monarchie endete 1918 und somit wurde auch das Reich aufgelöst. Die deutschsprachige Bevölkerung gründete das sogenannte Österreich und das Land erlebte schnell eine schlimme Wirtschaftskrise. Die Regierung, geführt von einer Koalition aus Sozialdemokraten, Christsozialisten und einer nationalistischen Partei, implementierte ein sehr ehrgeiziges Wirtschaftsprogramm – bestehend aus Preiskontrollen, Lebensmittelsubventionen, der Nationalisierung von Industrien, und Wohlfahrt – und finanzierte es mit einer Druckerpresse.

Wie es Mises vorhersah, war das Ergebnis eine reine Katastrophe.

In dieser misslichen Lage nutzte Mises seine Position in der Handels- und Gewerbekammer in Wien, um eine Reihe von Wirtschaftsreformen zu fordern. Angesichts der Ähnlichkeiten zwischen der heutigen Situation in Venezuela und der damaligen Krise in Österreich kann ein Blick auf Mises’ Vorschläge für die venezolanische Zukunft von Nutzen sein.

1. Wendet euch vom Sozialismus ab und verurteilt ihn

Dieser erste Schritt ist so offensichtlich wie entscheidend. Venezuela verfügt über eine Unmenge an natürlichen Ressourcen, einschließlich der weltgrößten Ölreserven und einer atemberaubend schönen, tropischen Landschaft. Die Krise, in der sich Venezuela befindet, ist rein ideologischer Natur. Bis das verstanden ist, gibt es keine Hoffnung für das Land. Das gleiche Problem hatte auch Mises in Österreich. 1923 bedauerte Mises folgendes:

Das Grundübel, an dem Oesterreich leidet, ist die Herrschaft der sozialistischen Ideen. […] Die Sozialdemokratie herrscht, weil sie die Wehrmacht hinter sich hat, weil sie jeden Augenblick durch Stillegung der Verkehrsanstalten und der Beleuchtungswerke der Bevölkerung ihren Willen aufzuzwingen vermag. Solange diese Herrschaft ungebrochen besteht, muss jeder Versuch, das Land zu sanieren, misslingen.

Solange die Macht von Nicolás Maduros Vereinigter Sozialistischer Partei Venezuelas nicht gebrochen wird, gibt es für Venezuela keine Hoffnung.

2. Wendet euch vom Bolivar ab

Laut offiziellen Angaben liegt Venezuelas jährliche Inflationsrate bei über 180%. Viele sagen, dass die reale Inflation noch höher ist. Wie hoch die „reale“ Inflationsrate aber auch ist, Fakt ist, dass sich der Bolivar buchstäblich in Klopapier verwandelt hat, da seine Kaufkraft so massiv abgesunken ist, dass sogar die Diebe ihn nicht mehr klauen wollen.

Unter ähnlichen Umständen priorisierte Mises die Geldreform als den ersten Schritt zur Wende in Österreichs Situation. 1922 schrieb er:

Die fortlaufende Abwertung der oesterreichischen Krone vernichtet sämtliche guten Aussichten auf einen Wiederaufbau des Staatshaushaltes, bis eine neue Notenbank gegründet wird. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Staat dazu geneigt ist, sämtliche Zahlungen zu suspendieren, sobald es unmöglich wird, die Menge des zirkulierenden Geldes zu erhöhen – diese Möglichkeit birgt fast unvorstellbare soziale Konsequenzen.

Mises’ Wunschlösung war ein österreichischer Goldstandard, vor allem mit der Begründung, Gold sei „ein stabiles Tauschmittel, das von der Krone unabhängig ist.“ Darüber hinaus ist zu bedenken, dass es andere Währungen gibt, die in einem venezolanischen Reformpaket Verwendung finden könnten.

Daniel Fernández Méndez beschrieb die Möglichkeit, dass Venezuela den US-Dollar aufnimmt – und es gibt sicherlich gute logische Gründe für dieses Vorgehen. Obwohl es viele Gründe gibt, die langfristige Stabilität der Federal-Reserve-Scheine in Frage zu stellen, ist der Dollar weiterhin die Weltreservewährung und wäre nach dem Bolivar eine Quelle der Stabilität. Auch Zimbabwe nahm nach seinen hyperinflationistischen Experimenten in 2008-2009 den Dollar auf.

Obwohl ein Aufnehmen des Dollars auf dem Papier gut aussieht, stellt sich zu Recht die Frage, ob die venezolanische Bevölkerung, die Jahre lang vor dem gefährlichen amerikanischen Imperialismus gewarnt wurde, solch einen Wandel akzeptiert. Die notwendigen Wirtschaftsreformen wären bereits schmerzhaft genug – darüber hinaus noch den Dollar zu akzeptieren, könnte für die Venezolaner zu viel sein.

Eine Alternative zum Dollar wäre der chinesische Yuan. China hat bereits große Summen in Venezuela investiert: Chinesische Banken haben Milliarden in das Land gepumpt, selbst im Angesicht fallender Ölpreise. China machte die Stabilität des Yuan zu einem Schlüsselziel und hat mit der Aufnahme des Yuan in den Währungskorb des IWF sichtlich Erfolg.

Man sollte anmerken, dass der Finanzminister von Zimbabwe mit dem Vorschlag hantierte, Zimbabwe nehme den Yuan im Austausch für eine Dollarsumme in Milliardenhöhe als Schuldenerlass auf. Obwohl dieser Vorschlag von der Reserve Bank of Zimbabwe abgewiesen wurde, könnte dieses Konzept in Venezuela funktionieren.

3. Privatisiert die venezolanische Wirtschaft

1921 verfasste Mises ein Memo namens Wie könnte Österreich gerettet werden? – Ein wirtschaftspolitisches Programm für Oesterreich. Nachdem er die Wichtigkeit einer Geldreform hervorhob, wendete Mises seine Aufmerksamkeit auf die Staatsschulden und schrieb:

Das Defizit der Wirtschaft des Staates, der Länder und der Gemeinden entspringt vorzüglich zwei Quellen: Der unwirtschaftlichen Führung der öffentlichen Betriebe und der Lebensmittelaktion (Anm. des Übersetzers: Subventionen von Lebensmitteln). Man muß daher trachten, die öffentlichen Betriebe in die Hand privater Unternehmungen überzuführen und die Lebensmittelaktion abzubauen.

Den großen Teil seiner Karriere schrieb Mises über die Ineffizienz von Staatsbürokraten, die versuchen, die wichtige Funktion wahrer Unternehmer zu replizieren. Es gibt dafür vielleicht kein besseres Beispiel als das heutige Venezuela, das – obwohl es auf mehr Öl als Saudi-Arabien sitzt – Energie rationieren und Öl importieren muss. Indem die venezolanischen Ölfirmen, die sich in öffentlicher Hand befinden, verkauft werden – und wieder zu privaten Bohrunternehmen werden, die ursprünglich von der venezolanischen Regierung enteignet worden waren – wird die Ölproduktion steigen und eine Schlüsselindustrie des Landes wiederhergestellt.

Darüber könnten die jetzigen Probleme von Venezuelas Telekommunikationsindustrie mit einer Privatisierung gelöst werden. Internationale Telekommunikationsfirmen, die zurzeit Geschäfte mit venezolanischen Firmen in öffentlicher Hand machen, fingen an, ihre Dienste einzustellen, da die venezolanischen Dienste die Rechnungen nicht bezahlen können. Diese Firmen leiden darunter, dass Preiskontrollen Preisanstiege zur Inflationsanpassung verhindern und Dienstleister somit dazu gezwungen sind, mit der Zeit große Verluste zu erwirtschaften.

Weitere Empfehlungen von Mises

Natürlich sind diese drei wichtigen Aktionen nicht alles, was in Venezuela gemacht werden muss. Tatsächlich würde noch eine Aufzählung in Mises’ wirtschaftspolitischem Programm passen, mann muss nur Österreich durch Venezuela ersetzen:

  • Der Valutahandel (Anm. des Übersetzers: Devisenhandel) ist freizugeben. (Damit wäre den bizarren Wechselkursen ein Ende bereitet.)
  • Alle Einfuhrverbote sind aufzuheben.
  • Alle Erschwerungen der Ausfuhr und der Durchfuhr sind aufzuheben.
  • Venezuela kann seinen Bedarf an Rohstoffen und Lebensmitteln nur durch Einfuhr decken. Um die Einfuhr zu bezahlen, muß es Fabrikate ausführen und Handelsgewinne machen. Es braucht Freihandel.
  • Die öffentliche Bewirtschaftung von Industrieartikeln und Rohstoffen der Industrie ist aufzuheben.
  • Die öffentliche Bewirtschaftung von Lebensmitteln ist abzubauen.

Diese Lösungen – kombiniert mit einem Rechtssystem, das sich dem Schutz von Eigentumsrechten verpflichtet – würden aus Venezuela eine führende Weltwirtschaftskraft machen. Mit der Gründung des Mises Institute Venezuela im vergangenen August und der lokalen Präsenz von Gelehrten der österreichischen Schule gibt es die Hoffnung, dass die Werke von Ludwig von Mises einen ähnlichen Verbreitungsgrad wie in Brasilien genießen werden.

Menos Marx, más Mises.

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Aus dem Englischen übersetzt von Vincent Steinberg. Der Originalbeitrag mit dem Titel What Would Ludwig von Mises Do in Venezuela? ist am 26.5.2016 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.